Unterdrückte Wut als Trigger der Bulimie erkennen – Wie ich unterdrückte Weiblichkeit, Wut, Trauer auflösen konnte

2020-02-11T18:10:12+01:00 Januar 8th, 2020|Blog, Bulimie, Gefühle, Weiblichkeit|

Wie du weißt, ist es mir in meiner Arbeit besonders wichtig, dich so authentisch wie nur möglich auf deiner Reise zu begleiten. Und “nur” weil ich meine Essstörung bereits lange hinter mir gelassen habe, heißt das nicht, dass bei mir jeden Tag Liebe, Licht und Sonnenschein herrscht.

Vor ein paar Tagen hat sich Etwas sehr spannendes in meinem Leben aufgezeigt und heute möchte ich dich einmal diesen Prozess meiner Wahrnehmung und Auflösung mitnehmen. Du wirst erfahren, welchen Zusammenhang ich zwischen meiner Wut, der darunterliegenden Trauer, meiner Weiblichkeit und der Bulimie erkannt habe. Wenn das spannend klingt für dich, dann tauche mit mir ab…

Wie sich plötzlich eine ganz alte Wut in mir aufzeigte

Ich saß letztens beim Abendessen in einem Gespräch mit einem tollen Mann und spürte wie sich während des Gesprächs immer mehr eine gewisse Unsicherheit und Aggression in mir auf tat. Ich muss dazu sagen, dass ich Ihn als sehr kopflastig, sehr im logischen Verstand, also eher in einer männlichen Energie empfunden habe. Ich habe es im Bauch gespürt, habe angefangen noch mehr zu erzählen und spürte aber auch dabei, wie ich immer mehr unsicherer geworden bin. In mir war es gefühlt, wie ein kleiner Kampf und ich wurde auch plötzlich müde. Der Energieverlust war für mich ein ganz klares Zeichen, näher hinzuschauen.

Im Gespräch mit Ihm sagte ich ihm dann auch ganz ehrlich : “Ich habe das Gefühl, dass ich manchmal zu viel bin mit meinen Wahrnehmungen und Gefühlen. Es ist manchmal nicht sehr angenehmen, wenn mich dann Andere als esoterisch, spirituell, anders, besonders bezeichnen, weil letztendlich tragen wir das Alle ins uns oder?”

Auf dem Weg nach Hause, wollte ich am liebsten Weinen. Ich war so richtig überwältigt von dem Gefühl in mir, doch ich konnte es noch nicht greifen. Abends im Bett habe ich losgelassen, einfach nur entspannt für mich geatmet, jegliche Ablenkung losgelassen und bin irgendwann eingeschlafen.

Am nächsten Morgen beim Erwachen war es da. Ganz klar. Diese alte Wut in mir. Sie war nicht mehr so energetisch, doch sie war da und ich habe sie erstmal einfach nur angenommen.

Ich habe mich eingekuschelt mit einer Tasse Tee, meinem Tagebuch und entspannter Musik.

Meine einzige Frage war: Liebe Wut, was willst du mir sagen? Welche Botschaft bringst du mit?

Die Antwort kam ganz klar. Lass den inneren Kampf los, diesen inneren Kampf zwischen männlich und weiblich. Sei einfach du selbst, präsent und genau so wie du bist. Du darfst diesen Kampf jetzt loslassen. Hör auf und lass los.

Dazu ein kleiner Exkurs in meine Kindheit, den so alt ist diese Wut schon und sie war ein starker Auslöser, ja fast der stärkste Trigger meiner Essstörung. Es war der Beginn, an dem ich meine Weiblichkeit unterdrückt habe.

Unterdrückte Wut aus der Kindheit als Trigger für die Bulimie

Dieses sensible und sehr feinfühlige kleine Mädchen in mir war schon immer da, doch durch die verschiedensten Einwirkungen in meiner Kindheit, habe ich dieses Mädchen nach und nach immer mehr weggedrängt, ihm den Mund verboten und gefühlt in eine Kammer gesperrt.

Viele Jahre später in der Grundschule wurde ich eine richtige Rebellin, aggressiv und habe sogar andere Kinder geschlagen, weil ich nicht weiter wusste. Ablehnung, verbale Ausdrücke gegen mich waren die Folge und ich habe die Rebellin in mir zu meiner sensiblen, feinfühligen Juliane gesperrt. Beide waren eine Bedrohung für das Ich in mir, was geliebt werden wollte.

Ich sehnte mich nach Liebe, Geborgenheit und bedingungsloser Annahme.

Die Wut spüren, sein lassen und heilen lassen

Da saß ich nun an diesem Morgen in meinem Bett mit dieser Wut und ihrer Antwort für mich. Ich lehnte mich zurück, schloss meine Augen, legte mir die Hand auf den Bauch und atmete einfach nur tief ein und aus. Die Energie hat sich aufgelöst und plötzlich löste sich eine Last von meinem Herzen. Ich war plötzlich richtig traurig und diese Erkenntnisse kamen einfach so rein. Diese alte Wut wollte mir helfen, diese alten unterdrückten Anteile noch mehr in mein Leben zu lassen und diesen inneren Kampf los zulassen.

Diese Trauer in mir fühlte sich an, als wenn dieses kleine unterdrückte Mädchen in mir, welches jetzt eine Erwachsene junge Frau ist, traurig war, dass ich sie so lange versteckt hatte und so sehr meine männlichen Aspekte gelebt habe, immer die Kontrolle haben wollte und mich selber fast damit umgebracht hätte, weil ich den Druck nicht mehr ausgehalten habe. Und obwohl ich schon so lange auf dem Weg der Heilung bin, darf ich noch mehr meine Weiblichkeit leben und zwar von Innen heraus. Ich darf mich noch mehr so sein lassen, wie ich bin und meine Wahrheit aussprechen und danach leben.

Es ist egal, was Andere von mir denken. Kein Mensch auf dieser Welt kennt den wahren Kontext hinter meinen Gefühlen und meinen Wahrnehmungen, also kann mir auch Niemand sagen, ob das richtig oder falsch ist. Es ist meine Wahrheit und schlussendlich mein Leben, welches ich danach ausrichte.

Wut, Trauer und Bulimie in Kontext verstehen

Für mich war diese kleine Reise nochmal so so wichtig, weil sich dadurch diese alte Schicht abgelöst hat. Es war gefühlt ein Prozess, bei dem ich mir noch ein Stück näher gekommen bin und dafür bin ich total dankbar. Diese alte Wut war auch nach meiner Essstörung noch der Nährboden für emotionales Essen. Immer wenn ich mich einsam und allein gefühlt habe mit dieser sensiblen Seite in mir, dann kam der “Hunger”, die Sehnsucht danach geborgen und geliebt zu sein mit Allem, was ich bin.

Die tiefe Ur-Wunde spüre ich bei sehr vielen Frauen, ob sie nun eine Essstörung haben oder nicht. Wir dürfen uns heilen und stückweise loslösen von diesem Dilemma, welches sich immer wieder auch in unseren Beziehungen zeigt. Sprich aus, was du im Herzen fühlst. Ich für mich habe es Alles 1:1 genau so ausgesprochen und interessanterweise sind dadurch zwei Menschen ins Wachstum gekommen, er und ich.

Es wird Zeit, dass wir diesen Kampf beenden und der Essstörung den Nährboden nehmen, damit dort wahre Schönheit, unabhängig von äußeren Idealbildern, erblühen kann.

Schreibe mir sehr gerne ganz unten in die Kommentare, welche Erkenntnisse du hattest!

Liebe an dich.

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